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KFZ-Schaden

Verbringungskosten bei fiktiver Abrechnung

Verbingungskosten sind immer wieder ein Streitthema mit Versicherungen.

Das Thema Verbringungskosten nimmt einen derartigen Raum ein, dass es hier nicht in Gänze dargestellt werden kann.

Was sind Verbringungskosten?

Verbringungskosten fiktive Abrechnung
Verbringungskosten fallen auf dem Weg zur Lackirerei an

Verbringungskosten sind diejenigen Kosten, die anfallen, wenn Ersatzteile von der Kfz-Werkstatt oder dem Autohaus in die Lackiererei verbracht werden. Es versteht sich von selbst, dass hierfür Kosten anfallen, denn es entstehen Arbeitskosten und Transportkosten für die Verbringung der Ersatzteile, die erst in der Lackiererei bearbeitet werden können.

Wenn eine Reparaturfirma die firmen- oder gruppeneigene Lackiererei räumlich ausgelagert hat, sind Verbringungskosten zu ersetzen.

OLG Düsseldorf, Urteil vom 19.01.2010, Az. I-1 U 140/09

Gibt es Verbringungskosten bei fiktiver Abrechnung?

Ja, es gibt Versicherungen, die Verbringungskosten bei fiktiver Abrechnung erstatten. Das Regulierungsverhalten bzw. die Zahlungsmoral der Versicherungen ist im außergerichtlichen Bereich aber unterschiedlich. Bei einigen Versicherungen hilft bereits ein erstes anwaltliches Aufforderungsschreiben. Bei anderen Versicherungen wird man aber auf “Granit” beißen, wenn die Regulierunganweisungen derart lauten, dass Verrbingungskosten einfach nicht erstattet werden sollen.

Verbringungskosten: Muss geklagt werden?

Nein, zunächst wird die Versicherung wegen der ausstehenden Verbingungskosten außergerichtlich angeschrieben. Auf Grund der unterschiedlichen Regulierungpraxis der Versicherungen zu den Verbringungskosten kann auf diesem Weg bereits eine Nachregulierung erreicht werden.

Verbingungskosten: Was erhöht die Möglichkeit der Erstattung der Verbingungskosten?

  • Verbingungskosten sind im KFZ-Gutachten einkalkuliert
  • Es gibt bereits regionale Rechtsprechung zu den Verbingungskosten
  • Es ist keine Verweisung auf eine Referenzwerkstatt möglich

Gibt es eigene Urteile zu den Verbringungskosten?

Ja, Verbringungskosten wurden von hier aus bereits mehrfach eingeklagt. Die Erfahrungswerte gehen aber dahin, dass nach Klagerhebung sofort und ohne Verhandlung durch die Versicherung gezahlt wurde bis hin zur Einholung eines kostenpflichtigen gerichtlichen Sachverständigengutachtens mit einer längeren Prozessdauer. Nachdem sich eine Versicherung hier beschwert hatte, dass ein solches Urteil unter Nennung der Versicherung erwähnt wurde, wurde dieses Urteil sowie weitere vom Netz genommen. So sind Versicherungen nun einmal.

Verbringungskosten: Wie argumentieren Versicherungen?

Oft wenden Versicherungen ein, dass diese Kosten bei einer fiktiven Abrechnung nicht zu erstatten seien, da das Fahrzeug ja nicht repariert worden sei. Dies ist nicht richtig.

Bekanntlich ist es so, dass bei einer fiktiven Abrechnung gar keine Kosten anfallen.

Das Argument der Versicherung ist daher so nicht haltbar. Mittlerweile gibt es eine Vielzahl von Rechtsprechung, die die Verbringungskosten bei fiktiver Abrechnung zusprechen. Die Kernfrage bleibt aber, ob die Werkstätten in der Umgebung regelmäßig über eine eigene Lackierei verfügen oder aber nicht.

Sowohl fiktiv abgerechnete Verbringungskosten als auch fiktiv abgerechnete UPE-Aufschläge sind ersatzfähig, wenn und soweit diese regional üblich sind, da sie in diesem Fall dem Aufwand zuzurechnen sind, der für die Behebung des Fahrzeugschadens erforderlich ist. Es ist zudem bei fiktiver Abrechnung auf Gutachtenbasis von einer Erstattungsfähigkeit der Aufschläge auszugehen, wenn ein öffentlich bestellter und vereidigter Kfz.-Sachverständiger unter Berücksichtigung der örtlichen Gepflogenheiten zu dem Ergebnis gelangt, dass im Falle einer Reparatur in der Region bei markengebundenen Fachwerkstätten typischerweise UPE-Aufschläge erhoben werden.

LG Oldenburg, Urteil vom 07.03.2017 – 5 O 1595/15

 

Rechtsprechung zu den Verbringungskosten

  • UPE-Aufschläge – Verbringungskosten

    LG Saarbrücken Urt.v. 19.07.2013 -13 S 61/13- zfs 2013, 564 UPE-Aufschläge und Verbringungskosten sind auch im Rahmen fiktiver Schadensabrechnung grundsätzlich erstattungsfähig, wenn ein anerkannter KFZ-Sachverständiger unter Berücksichtigung der örtlichen Gegebenheiten zu dem Ergebnis gelangt ist, dass im Falle einer Reparatur in der Region bei markengebundenen Fachwerkstätten diese Kosten üblicherweise erhoben werden (Anschluss OLG Düsseldorf SP 2012, 329; OLG Hamm NZV 2013, 247).

  • Verbringungskosten bei fiktiver Unfallabrechnung

    AG Frankfurt/Main Urt.v. 24.07.2012 31 C 1603/11- Der Verkehrsanwalt 2013, 97 Die Unkostenpauschale beträgt 30,- €. Verbringungskosten und UPE-Aufschläge können auch fiktiv ersetzt begehrt werden.

  • Verbringungskosten bei fiktiver Abrechnung

    AG Uelzen Urt.v. 28.02.2013 -17 C 8008/13- Der Verkehrsanwalt 2013, 95 Sämtliche Abteilungen des AG Uelzen sind sich darüber einig, dass auch im Rahmen der fiktiven Abrechnung Verbringungskosten und UPE-Aufschläge auf die unverbindliche Preisempfehlung ersetzt verlangt werden dürfen.

  • UPE-Aufschläge und Verbringungskosten sind zu ersetzen.

    Nach einem Urteil des AG Eschweiler vom 01. Juni 2006 – 26 C 31/06 – sind auch bei Abrechnung auf Gutachtenbasis die Stundenverrechnungssätze, UPE-Aufschläge und Verbringungskosten so zu ersetzen, wie sie bei einer Reparatur in einer örtlichen markengebundenen Fachwerkstatt angefallen wären. Der Geschädigte habe grundsätzlich Anspruch darauf, die Reparaturen einer markengebundenen Fachwerkstatt durchführen zu lassen und zwar unabhängig davon, ob er die Reparatur tatsächlich durchführen lässt oder nicht.

  • UPE-Aufschläge und Verbringungskosten sind bei der fiktiven Abrechnung

    Urteil des AG Wiesbaden vom 16.05.2007, AZ: 92 C 280/07 -31-

  • Fiktive Verbringungskosten am AG Gummersbach

    Verrbingungskosten sind auch bei Abrechnung nach Gutachten zu erstatten, sofern die Markenwerkstätten in der jeweiligen Region solche in Rechnung stellenUrteil des AG Gummersbach vom 06.02.2007, AZ: 1 C 598/06

  • Verbringungskosten

    Kosten für Ersatzteilaufschläge und Verbringungskosten sind auch bei fiktiver Abrechnung zu erstatten, jedenfalls dann, wenn sie ortsüblich sindUrteil des AG Landstuhl vom 19.01.2007, AZ: 2 C 680/06

  • Verbringungskosten

    Auch Verbringungskosten sind fiktiv zu ersetzen Urteil des LG Wiesbaden vom 08.12.2006, AZ: 7 S 36/06

  • Verbingungskosten Urteil des LG Koblenz vom 18.08.2006, AZ: 14 S 68/06

    Verbringungskosten sind dann auch fiktiv ersatzfähig, wenn diese im Gutachten aufgeführt werden und vor Ort des Geschädigten keine gleichermaßen geeignete Werkstatt vorhanden ist, die diese Arbeiten durchführen kann

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