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Kostenvoranschlag durch die Versicherung auszahlen lassen

Einen Kostenvoranschlag bei einer Autowerkstatt erstellen zu lassen, damit dieser sodann von der Versicherung ausbezahlt wird, ist an sich kein Problem. Man nennt diese Vorgehenswiese auch Unfallschaden auszahlen lassen oder aber fiktive Abrechnung. Wer sich den Kostenvoranschlag auszahlen lassen will, und letztlich das beste finanzielle Ergebnis erreichen will, der sollte jedoch ein paar Dinge beachten.

Kostenvoranschlag : Schnell wird Geld an die Versicherung

Bei der Auszahlung des Kostenvoranschlages bedarf es vorab ein paar Überlegungen.

Was ist ein Kostenvoranschlag?

Ein Kostenvoranschlag ist letztlich eine unverbindliche Reparaturkostenkalkulation eines Fachbetriebes. Diese Kalkulation beruht auf der geschätzten Anzahl der notwendigen Ersatzteile (Material), deren Verkaufspreise sowie der notwendigen Arbeitszeit für die Reparartur.

Was beinhaltet ein Kostenvoranschlag einer KFZ-Autowerkstatt?

Bei einem Fahrzeugschaden gibt es regelmäßig, neben den Grundangaben noch ein paar weitere Eckdaten, die letztlich immer wieder auftauchen.

Eine Wertminderung wird bei einem Kostenvoranschlag nicht berechnet

Es ist wichtig zu wissen, was eine Wertminderung ist, denn eine Wertminderung wird bei einem Kostenvoranschlag nicht berechnet und wird daher auch nicht als Schadenposition bei der Versicherung auftauchen. Eine Wertminderung bezeichnet quasi den Verlust der bei einem Verkauf des Fahrzeuges dadurch eintreten würde, dass das Fahrzeug nunmehr ein Unfallfahrzeug ist.

Die Berechnung der Wertminderung ist letztlich die Aufgabe eines KFZ-Sachverständigen.

Wer trägt die Kosten für den Kostenvoranschlag?

Die Kosten für den Kostenvornachlag sind vom Schädiger, Unfallverursacher, sowie dessen Haftpflichtversicherung zu tragen. Dies gilt unabhängig von der sogenannten Bagatellgrenze von 750,00 EUR, denn ab einem geschätzten Schaden von mehr als 750,00 EUR sind Sie grundsätzlich berechtigt, gleich ein KFZ-Sachverständigengutachten einzuholen. Diese Kosten sind auch von der Versicherung zu tragen.

Warum werden die Kosten erstattet?

Ganz einfach, dies hat der Gesetzgeber so geregelt. Außerdem ist es so, dass man als Laie gar nicht einschätzen kann, wie hoch der Schaden ist, so dass man zwangsläufig auf die Methoden angewiesen ist.

Kostenvoranschlag auszahlen lassen! Freie Werkstatt, Markenwerkstatt oder Sachverständigengutachten?

Ihr Anspruch hängt maßgeblich von dieser Frage ab!

Autounfall: Kostenvoranschlag oder Gutachten?

Schadenposition (vereinfacht)Freie WerkstattMarkenwerkstattKFZ-Gutachten
Ersatzteile500,00 EUR525,00 EUR525,00 EUR
Arbeitszeit (100 AW-Einheiten)870,00 EUR1.200,00 EUR1.200,00 EUR
Lackierungkosten480,00 EUR600,00 EUR600,00 EUR
Wertminderungnicht berechnetnicht berechnet150,00 EUR
Reparaturdauernicht kalkuliertnicht kalkuliert2-3 Arbeitstage
Nutzungsausfallshöhekeine Angabekeine Angabe39,00 EUR
Restwertkeine Angabekeine Angabe250,00 EUR
Wiederbeschaffungswertkeine Angabekeine Angabe2.900,00 EUR
Gesamtschaden:1.850,00 EUR2.325,00 EUR2.475,00 EUR
Kosten:50,00-75,00 EUR150,00 EUR470,00 EUR

Wann benötige ich einen Kostenvoranschlag?

Es gibt die sogenannte Bagatellgrenze von ca. 750,00 EUR. Bei Schäden unterhalb dieses Bereiches ist die Einholung eines Kostenvoranschlages zur Schadenbezifferung geboten, denn die Einholung eines KFZ-Sachverständigengutachtens wäre unverhältnismäßig und die Versicherung muss diese Sachverständigenkostenkosten dann nicht ersetzen.

Wo lasse ich den Kostenvoranschlag erstellen? Markenwerkstatt!

Versicherung kostenvoranschlag auszahlen lassen
Versicherung Kostenvoranschlag auszahlen lassen – 750,00 EUR Bagatellgrenze

Das obige Beispiel zeigt, dass es sinnvoller ist, einen Kostenvoranschlag bei einer Markenwerkstatt einzuholen. Der Gund hierfür ist einfach, denn die Stundenlöhne sind einfach höher als in einer freien Werkstatt. Wer zu Mercedes, VW, Audi, BMW, etc. geht, der weiß, dass diese Konzerne auch viel Geld in Marketing, Entwicklung etc. stecken. Solche Faktoren spiegeln sich daher auch in den Stundenverrechnungssätzen wieder. Die Stundensätze liegen teilweise bei ca. netto EUR 190,00. Freie Vertragswerkstätten, die sodann auch noch im Rahmen des Aktiven Schadenmanagements der Versicherung tätig werden, arbeiten für Stundensätze von bis zu netto EUR 90,00.

Was ist bei einer Haftungsquote?

Ein Kostenvoranschlag bietet sich teilweise aber auch an, wenn vorhersehbar ist, dass es zu einer Haftungsqoute kommt. Dies kann z.B. bei einem Parkplatzunfall der Fall sein. Hier kommt es mitunter zu einer 50 % Mithaftung, so dass auch nur die Sachverständigenkosten zur Hälfte getragen werden würden. Es ist daher eine reine Kostenvorabschätzung, was letztlich in einem solchen Fall angezeigt ist.

Welche generellen Probleme gibt es bei der fiktiven Abrechnung nach Kostenvoranschlag? CarEpert, ControlExpert und Co….

Die Probleme, die bei einem kostenvoranschlag auftauchen können, sind regelmäßig dieselben, wie bei einer Abrechnung nach Gutachten.

Warum erstattet die Versicheurng die Kosten für den Kostenvoranschlag nicht?

Es kommt vor, dass Versicheurungen ausführen, dass die Kosten für einen Kostenvoranschlag nicht zu erstatten seien. Die ist völlig unzutreffend. Hier gibt es bereits Msuterbausteine, mit denen die Versicherung auf entsprechende Rechtsprechung hingewiesen wird. Dies ist eigentlich auch allen Sachbearbeitern bei der Versicherug bekannt, aber im Rahmen des Aktiven Schadenmagements, versuchen Versicherungen an vielen Schadenpositionen -wider besseren Wissens- zu kürzen. Hier wurden bis dato sämtliche Kosten für einen Kostenvoranschlag außergerichtlich beigetrieben.

Ausreden von Versicherungen, Gutachten erst ab 5.000,00 EUR

Ja, es gibt sogar Versicherungen, die Musterschreiben verwenden, wonach die Einholung eines Kostenvoranschlages bei Schäden bis 5.000,00 EUR ausreichend und notwendig sei. Rechtlich ist dies völlig unzutreffend und gefährdet letztlich Ihre Ansprüche, denn bei Schäden von mehreren tausend EURO kommt häufig eine Wertminderung in Betracht und es stellt sich die Frage des Vorliegens eines Totalschadens.

Was kostet ein Kostenvoranschlag für das Auto?

Versicherung kostenvoranschlag auszahlen lassen
Kosten von 50,00 – 300,00 EUR

Es ist nur Selbstverständlich, dass die Erstellung eines Kostenvoranschlages Geld kostet. Dies liegt teilweise nicht daran, dass die Werkstätten “gierig” sind, nein dies liegt teilweise daran, dass die Erstellung einer Raparturkalkulation mit Kosten verbunden ist. Bereits der Abruf der notwendigen Daten (Einkaufspreise etc.) bei einem Hersteller, ist mit Kosten verbunden, so dass wirklich niemand erwarten kann, dass ein Unternehmer dies kostenlos erstellt. Dies macht aber auch nichts, denn die Kosten werden ja erstattet.

Hier sind Kosten von 50,00 EUR bis zu 300,00 EUR für aufwendige Kostenvoranschläge von Markenwerkstätten bekannt.

Wo bekomme ich einen Kostenvoranschlag für ein Auto her?

Ganz einfach, schreiben Sie der entsprechenden Werkstatt doch eine kurze E-Mail. Sagen Sie gleichzeitig, dass Sie sich den Schaden auszahlen lassen wollen und dass Sie die Kosten für den Kostenvoranschlag bezahlen werden. Diese Methode ist einfach offen und ehrlich. Ich persönlich finde es nicht schön, eine Werkstatt kostenlos um einen Kostenvoranschlag zu bemühen, wenn man weiß, dass diese an der Sache eh nichts verdienen werden. Die offene Methode ist dann wohl die bessere Methode.

Sachverständige haben insgesamt weniger Probleme damit, denn die bekommen das KFZ-Sachverständigengutachten ja ohnehin erstattet.

Musterschreiben für Kostenvoranschlag ausbezahlen lassen

Ich persönlich bin kein wirklicher Freund für die Bereitsstellung von Musterschreiben, denn wenn ich gefragt werde, wie ein solches Musterschreiben aussieht, dann sage ich ganz ehrlich:

Beziffern Sie einfach die Netto-Reparaturkosten sowie die Unkostenpauschale.

Ein Beispiel würde wie folgt aussehen:

Schaden-Nr.:

Reparaturkosten netto: xy EUR

Kostenpauschale: 25,00 EUR

Dies trifft aber nicht den Kern der Sache, denn schnell werden Schadenpositionen vergessen, wenn z.B. eine trotzdem eine Reparatur ohne Rechnung durchgeführt wird oder aber keine Verkerhssicherheit (Nutzungsausfallentschädigung) mehr besteht.

Kostenvoranschlag auszahlen lassen FAQ

  • Was ist die fiktive Abrechnung?

    Die fiktive Abrechnung ist eine besondere Art der Schadensabwicklung. Bei der fiktiven Abrechnung wird keine Reparatur des Schadens durchgeführt. Man nennt die fiktive Abrechnung daher auch “Unfallschaden auszahlen lassen”.

  • Was ist bei der fiktiven Abrechnung grundsätzlich zu beachten?

    Grundsätzlich ist man als Geschädigter für die Höhe des Schadens bei der fiktiven Abrechnung nachweispflichtig. Daher sind Unterlagen zur Schadenbezifferung bei der Versicherung einzureichen. Dies geschieht über einen Kostenvoranschlag oder aber ein KFZ-Sachverständigengutachten. Ein Sachverständigengutachten ist erst bei Schäden über EUR 750,00 angezeigt. Man spricht insoweit von der Bagatellgrenze.

  • Warum erfolgt die fiktive Abrechnung auf Netto-Basis?

    Bei der fiktiven Abrechnung wird grundsätzlich keine Mehrwertsteuer erstattet. Der Gesetzgeber hat dies nach einer Gesetzesreform so in das Gesetz geschrieben. Mehrwertsteuer wird nur daher nur dann erstattet, wenn nachgewiesen worden ist, dass sie auch tatsächlich angefallen ist.

  • Wann gibt es Nutzungsausfall bei der fiktiven Abrechnung?

    Bei der fiktiven Abrechnung gibt es normalerweise keinen Nutzungsausfall, da ja regelmäßig nicht repariert wird. Es gibt jedoch Ausnahmen von diesem Grundsatz. Diese Ausnahmen treten dann ein, wenn Sie ihr Fahrzeug z.B. bei Freunden, Bekannten und Verwandten (ohne Rechnung) haben reparieren lassen.

  • Was ist bei fiktiver Abrechnung und Reparatur in Eigenregie zu beachten?

    In dieser Fallkonstellation der fiktiven Abrechnung kann zusätzlich Nutzungsausfall geltend gemacht werden. Auch ohne die Vorlage einer Rechnung kann das Fahrzeug ja repariert worden sein. Sei es bei Freunden, Bekannten oder Verwandten oder aber in einer günstigeren Werkstatt. In jedem Fall ist aber die Reparatur nachzuweisen. Dies kann z.B. durch Lichtbilder des reparierten Fahrzeuges geschehen, ohne dass ein Rechnungnachweis erforderlich wäre.

  • Gibt es eine fiktive Abrechnung bei Leasing oder Finanzierung?

    Ja, eine fiktive Abrechnung bei einem Leasing-Fahrzeug ist möglich. Ebenso ist eine fiktive Abrechnung bei einem finanzierten Fahrzeug möglich. Hier gilt es jedoch Besonderheiten zu beachten, denn regelmäßig muss die fach- und sachgerechte Instandsetzung nachgewiesen werden.

  • Gibt es eine Wertminderung bei der fiktiven Abrechnung?

    Eine Wertminderung wird bei der fiktiven Abrechnung erstattet, wenn diese im KFZ-Sachverständigengutachten ausgewiesen ist.

  • Gibt es Prüfberichte bei der fiktiven Abrechnung?

    Bei keiner anderen Schadenposition gibt es wohl soviel Einsparungspotential wie bei der fiktiven Abrechnung. Daher erstellen Versicherungen nahezu immer einen sogenannten Prüfbericht, der Ihren Schadensersatzanspurch reduzieren soll. Die bekanntesten Firmen in diesem Bereich sind CarExpert und ControlExpert. Aber auch die Dekra erstellt Prüfberichte für Versicherungen.

  • Welche Stundenverrechnungssätze gelten bei der fiktiven Abrechnung?

    Diese Frage kann bei der fiktiven Abrechnung nicht pauschal beantwortet werden, denn dies hängt mit dem Alter des Fahrzeuges sowie weiterer Faktoren zusammen (Werkstattloyalität etc.). Ferner hängt dies davon ab, ob das Fahrzeug kontinuierlich in einer Markenwerkstatt gewartet wurde. Sollte dies der Fall sein, dann bestehen auch gute Chancen darauf, dass die höheren Stundenverrechnungssätze einer Markenwerkstatt erstattet werden.

  • Gibt es Verbingungskosten bei der fiktiven Abrechnung?

    Grundsätzlich sind Verbringungskosten zu erstatten. Aber regelmäßig werden diese Kosten von der Versicherung gekürzt. Die Möglichkeiten an Argumentationen sind aber vielfältig und sind immer von Fall zu Fall zu betrachten. Nicht selten kommt es nach einer Aufforderung sodann zu einer Nachregulierung der Verbringungskosten durch die Versicherung.

    Die Versicherungen rechnen hier ganz einfach. Bei 100 außergerichtlichen Kürzungen zu je 120,00 EUR (12.000,00 EUR), ergibt es betriebswirtschaftlich einen Sinn für die Versicherung, abzuwarten, bis einer eine Klage einreicht, anstatt diese Position an sämtliche Geschädigte auszuzahlen.

  • Gibt es UPE-Aufschläge bei der fiktiven Abrechnung?

    Die fiktive Abrechnung bezieht sich auch auf UPE-Aufschläge. Aber auch diese Position wird gerne gekürzt. Hier gilt dasselbe wie bei den Verbringungskosten und es sind Besonderheiten hinsichtlich der Wartung in einer Markenwerkstatt zu beachten. Wer schonmal nachweislich "an der Ecke", sein Fahrzeug hat reparieren lassen, der wird hier Probleme bekommen. Aber auch hier kann man nachfassen.

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