Fiktive Abrechnung

1. Was ist die fiktive Abrechnung nach einem Unfall und welche Vorteile bestehen für den Geschädigten?

Ein unverschuldeter Unfall ist schnell passiert und das Auto ist beschädigt. Wer fiktiv abrechnet, sollte wissen, dass Versicherungen bei der fiktiven Abrechnung nach Gutachten Kürzungen vornehmen. Die Bedeutung der Kürzungen hat des wegen einen so hohen Stellenwert, weil die fiktive Abrechnung eine Vielzahl von Vorteilen bietet. So wird der Schadensbetrag ungekürzt, bis auf die Mehrwertsteuer, ausgezahlt. Es steckt also viel Potential und Kürzungspotential nach einem Verkehrsunfall in der fiktiven Abrechnung. Wer fiktiv abrechnet sollte daher die Sprache der Versicherung kennen. Es geht um Wiederbeschaffungswert, Restwert, Totalaschaden, Nutzungsausfall, Verbringungskosten, Mietwagenkosten, Abschleppkosten, Wertminderung, Schadensersatz und Schmerzensgeld. Wem diese Begriffe nicht viel sagen, der sollte lieber gleich einen Anwalt für Verkehrsrecht mit der Schadenregulierung beauftragen.

Lesen Sie mehr in dem Ratgeber: „Anwalt für Verkehrsrecht

2. Fiktive Abrechnung: Was ist die fiktive Abrechnung?

Die fiktive Abrechnung ist die Abrechnung des Unfallschadens auf Basis des Kostenvoranschlages oder des Sachverständigengutachtens. Die Schadensabrechnung erfolgt daher nicht auf Grundlage einer konkreten Reparaturkostenrechnung, sondern fiktiv auf einer möglichen Reparaturkostenkalkulation. Eine mögliche merkantile Wertminderung wird ebenfalls erstattet

3. Wann ist die fiktive Abrechnung möglich?

Die fiktive Abrechnung ist grundsätzlich in jedem Fall möglich. Sie ist legal und gesetztlich auch so vorgesehen, weil eine anders lautende gesetzliche Entscheidung in das Eigentum und das Vermögen des Geschädigten eingreifen würde. Lassen Sie sich die Vorteile nicht entgehen.

4. Wer muss das Unfallauto begutachten für die fiktive Abrechnung?

Die fiktive Abrechnung erfolgt in der Regel auf Basis des Sachverständigengutachtens, d.h. Sie sollten ihr Fahrzeug durch einen Sachverständigen begutachten lassen. Achten Sie darauf, dass der Sachverständige nicht von der gegnerischen Haftpflichtversicherung geschickt wird, sondern von Ihnen selbst ausgewählt wird.

Lesen Sie mehr in dem Ratgeber: „Kostenvoranschlag oder Sachverständigengutachten

Der Sachverständige ermittelt die voraussichtlichen Reparaturkosten, die Wertminderung, Verbringungskosten, UPE-Aufschläge und die mögliche Reparaturdauer. Wir empfehlen, in jedem Fall einen freien und unabhängigen Sachverständigen zu beauftragen, wenn Sie fiktiv abrechnen wollen.

5. Ist die fiktive Abrechnung zulässig?

Ja, die fiktive Abrechnung ist rechtlich zulässig. Sie stellt nur eine andere Art der Wiederherstellung als eine konkrete Abrechnung dar.

6. Was ist bei einem wirtschaftlichen Totalschaden? Kann ein wirtschaftlicher Totalschaden ebenfalls fiktiv abgerechnet werden?

Ja. Aber ein wirtschaftlicher Totalschaden zeichnet sich dadurch aus, dass die Reparaturkosten über dem Wiederbeschaffungswert des Fahrzeuges liegen. Dies bedeutet, dass der nur der Wiederbeschaffungsaufwand abzüglich Restwert reguliert wird.

Bei einem Totalschaden versuchen Versicherer häufig, ein höheres Restwertangebot zu unterbreiten, damit der Schadensersatzanspruch gesenkt wird. Sie können sich jedoch auf den im Gutachten ermittelten Restwert verlassen.

Lesen Sie mehr in dem Ratgeber: „Was ist ein Totalschaden

7. Was sind diese Verbringungskosten bei der fiktiven Abrechnung?

Verbringungskosten fallen an, wenn Ersatzteile zu einer Lackiererei verbracht werden müssen. Es handelt sich also um Transportkosten. Die Rechtsprechung tendiert dahin, dass Verbringungskosten zu ersetzten, wenn sie regionalüblich sind und in dem Sachverständigengutachten ermittelt worden sind.

Lesen Sie mehr unter: „Verbringungskosten

8. Was sind diese Stundenverrechnungssätze bei der fiktiven Abrechnung?

Die Stundenverrechnungssätze variieren. Die Stundenverrechnungssätze sind z.B. in einer Markenwerkstatt höher als in einer freien Werkstatt. Je nach Alter des Fahrzeuges wird der Versicherer versuchen, die Stundenverrechnungssätze zu drücken und Sie auf eine freie Werkstatt verweisen zu versuchen.

9. Wann ist eine Verweisung bei einer fiktiven Abrechnung unzulässig?

Der Geschädigte braucht sich nicht auf eine von der gegnerischen Haftpflichtversicherung benannte günstigere Referenzwerkstatt verweisen zu lassen, wenn

– das Unfallfahrzeug nicht älter als drei Jahre war,

– das Unfallfahrzeug zwar älter als drei Jahre war, aber in der Vergangenheit stets in einer markengebundenen Fachwerkstatt gewartet wurde („Scheckheftpflege“) oder im Falle eines vorherigen Unfallschadens in einer solchen Werkstatt repariert wurde,

– die benannte Referenzwerkstatt nur deshalb kostengünstiger ist, weil ihr keine marktüblichen Preise, sondern vertraglich vereinbarte Sonderkonditionen mit dem Versicherer des Schädigers zugrunde liegen (was für den Geschädigten schwierig nachzuweisen ist).

10. Was ist mit der Mehrwertsteuer bei der fiktiven Abrechnung?

Die Mehrwertsteuer muss von der Haftpflichtversicherung grundsätzlich nur soweit bezahlt werden, wie sie tatsächlich angefallen ist. Wenn keine Mehrwertsteuer angefallen ist, dann ist diese auch nicht zu ersetzten.

Lassen Sie sich vom Anwalt für Verkehrsrecht beraten.