Die fiktive Abrechnung von Unfallschäden sorgt immer wieder für Streit und Diskussionen.

Diese betreffen in erster Linie die Unterschiede zwischen den Stundenverrechnungssätzen einer freien und einer markengebundenen Fachwerkstatt. Während der Geschädigte bestrebt ist mit den höheren Stundenverrechnungssätzen einer Markenwerkstatt abzurechnen, will der Versicherer in der Regel die günstigeren Tarife einer nicht markengebundenen Fachwerkstatt zugrunde legen. So war es auch in dem hier zugrunde liegenden, vom BGH entschiedenen Fall. Der BGH 6. Zivilsenat, Urteil vom 07.02.2017 – VI ZR 182/16 hat wie folgt entschieden:

Leitsätze

  1. Der Schädiger kann den Geschädigten gemäß § 254 Abs. 2 BGB auf eine günstigere Reparaturmöglichkeit in einer mühelos und ohne Weiteres zugänglichen „freien“ Fachwerkstatt verweisen, wenn er darlegt und beweist, dass eine Reparatur in dieser Werkstatt vom Qualitätsstandard her der Reparatur in einer markengebundenen Werkstatt entspricht und wenn er ggf. vom Geschädigten aufgezeigte Umstände widerlegt, die diesem eine Reparatur außerhalb einer markengebundenen Werkstatt unzumutbar machen würden (Senatsurteile vom 28.04.2015 – VI ZR 267/14 – VersR 2015, 861 Rn. 9 f.; v. 15.07.2014 – VI ZR 313/13 – NJW 2014, 3236 Rn. 8; v. 03.12.2013 – VI ZR 24/13 – VersR 2014, 214 Rn. 9; v. 14.05.2013 – VI ZR 320/12 – NJW 2013, 2817 Rn. 8; v. 13.07.2010 – VI ZR 259/09 – DAR 2010, 577 Rn. 6 f. und v. 22.06.2010 – VI ZR 302/08 – NJW 2010, 2727 Rn. 6 f.).
  2. Bei Fahrzeugen, die älter sind als drei Jahre, kann der Verweis auf eine technisch gleichwertige Reparaturmöglichkeit in einer „freien“ Fachwerkstatt insbesondere dann unzumutbar sein, wenn der Geschädigte konkret darlegt, dass er sein Fahrzeug bisher stets in einer markengebundenen Fachwerkstatt hat warten und reparieren lassen und dies vom Schädiger nicht widerlegt wird (Senatsurteile vom 28.04.2015 – VI ZR 267/14 – VersR 2015, 861 Rn. 10; v. 13.07.2010 – VI ZR 259/09 – DAR 2010, 577 Rn. 8; v. 22.06.2010 – VI ZR 302/08 – NJW 2010, 2727 Rn. 7 und 22.06.2010 – VI ZR 337/09 – NJW 2010, 2725 Rn. 10).
  3. Ist ein über neun Jahre altes und bei dem Unfall verhältnismäßig leicht beschädigtes Fahrzeug zwar stets in einer markengebundenen Fachwerkstatt repariert, dort aber in den letzten Jahren vor dem Unfall nicht mehr gewartet worden, ist der Verweis auf eine „freie“ Fachwerkstatt nicht unzumutbar.