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Beilackierung in der fiktiven Abrechnung

Es gibt wohl kaum einen anderen Bereich, als die fiktive Abrechnung, wenn man sich den Unfallschaden auszahlen lassen möchte. Versicherungsunternehmen wenden hier sehr häufig Prüfberichte an. Hierbei handelt es sich um computergestützte Vorabprüfungen, bei denen aufgezeigt werden soll, wo Einsparpotenzial vorhanden ist. Praktisch sieht dies so aus, dass einem lediglich unter Verweis auf Referenzwerkstätten eine kurze technische Prüfung mitgeteilt wird, dass der Schaden auch kostengünstiger zu erstatten sei. Es mehren sich jedoch die Gerichtsurteile, dass diese Art der Abrechnung durch die Versicherung bei der fiktiven Abrechnung nicht statthaft ist.

AG Neustadt a. Rbge., Urteil vom 23.09.2020, Az. 41 C 327/20

„Unstreitig wird der Prüfbericht computergesteuert und automatisch erstellt. Die Klägerin selbst hat vorgetragen, dass nur im Falle von Fehlern eine Tiefenprüfung stattfinde. Es handelt sich hierbei lediglich um pauschale Behauptungen, dass gewisse Reparaturpositionen und Arbeitsleistungen nicht erforderlich seien, ohne dass ausreichend auf den Einzelfall Bezug genommen wird und sich konkret mit dem Gutachten … auseinandergesetzt wird. Man kann im Falle der Beilackierung stets pauschal behaupten, eine solche sei nicht erforderlich. Eine Auseinandersetzung mit dem hier geschädigten Fahrzeug findet nicht statt. Der Prüfbericht lässt auch nicht erkennen, ob im vorliegenden Fall eine Einzelprüfung durch eine qualifizierte Person stattgefunden hat oder nicht. Ferner ist zu berücksichtigen, dass eine Besichtigung des Fahrzeugs nicht stattgefunden hat und auch eine Auseinandersetzung mit dem vom Privatgutachter …. erstellten Fotos von den Beschädigungen fehlt.“ (AG Neustadt a. Rbge., Urteil vom 23.09.2020, Az. 41 C 327/20).

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